Reflexionen


Die Taube und die Bachstelze
von Rolf Stirnemann

Das Wasser fließt unablässig seinen Lauf. Es fragt niemanden. Es geht einfach. 
Es fließt. Immer wieder ist das Bild des Wassers anders. Es gibt millionenfache Variationen, hunderttausende von Sujets. Und immer wieder ist das Wasser anders. Ich sehe hier die Steine, die aus dem Fluss ragen. Etwas angekitzelt vom Wasser. Dort ist ein Strauch im Wasser, den der Fluss mitgenommen hat. Am Ufer des Flusses hat es  Efeu an einem Baumstrunk. Einer ehemaligen Eiche. Die jetzt nicht mehr lebt. Dafür hat sich Efeu daran geklebt.
Von Ferne höre ich die Eisenbahn davon rauschen. In den Wipfeln eines alten Baumes regt sich eine Taube, die verzweifelt nach Nahrung ruft.
Ich genieße diese Ruhe. Diese entspannende Ruhe. Ich beobachte die Menschen, die davon eilen. Die verdorrten Blätter am Boden. Die Ameise, die eilends davon springt. Und immer wieder höre ich die Taube in den Baumwipfeln.
Der Wind streicht mir um meine Wangen. Es ist ein wunderschönes Gefühl. Das Paradies auf Erden. Man könnte es meinen. Paradies?
Ich schreite auf einem Stück Rasen. Der ist weich unter meinen Füssen. Ich spüre das Weiche. Meine Gedanken sind auf diesem Stück Rasen. Jetzt. Der Rasen des Lebens. Oder der Boden des Lebens. Nicht immer geradeaus. Nicht immer eben. Es gibt auch verdorrte Rasenstücke. Die sind verdorrt. Die sind uneben. Unkraut wächst. So wie das Leben eben spielt.
Ich bin jetzt in einer Waldlichtung. Umgeben von vielen alten Bäumen. Wenn diese Bäume etwas sagen könnten? Sie hätten eine sehr lange Geschichte zu erzählen. Die einen stehen etwas schief in der Gegend. Die andern sind gerade gegen den Himmel gerichtet. Und andere haben ein schönes, grünes Kleid angezogen. Und der Wind rauscht durch die Baumwipfel. Und gibt den Blättern einen gewissen „Tatch“.
Meine Wahrnehmungen sind jetzt total anders geworden. Als noch vor drei Wochen. Ich höre die Vögel zwitschern, ich höre das Rauschen des Baches. Ich spüre den weichen Rasen unter meinen Füssen. Wie uneben er ist. Und jede Druckstelle nehme ich wahr.
Es ist ein angenehmes Gefühl. Hier draußen zu sein. Die Natur zu beobachten. Den warmen Wind zu spüren. Die Vögel zu hören. Und einfach da zu sein. Ich nehme die warme Sommerluft wahr. Die mich umgibt. Gerüche vom  Waldboden. Von Blättern. Die Baumrinden nehme ich ebenso wahr wie der Duft der vielen roten Rosen, die meine Augen erfreuen.
Und immer wieder höre ich die Taube. Die mir zuruft. Was will sie mir wohl sagen? Ich möchte jetzt am liebsten zu ihr in die hohen Baumwipfeln fliegen. Sie über ihre Federn zu streicheln. Und ihr in ihre Augen zu schauen. Sie zwinkert mir zu. Die Welt ist für uns beide in Ordnung.
Eine Bachstelze ist ungefähr fünf Meter von mir entfernt am Boden. Sie beobachtet das ganze Geschehen. Es scheint, dass sie zuhört. Es scheint, dass sie mich beobachtet. Ihr Kopf bewegt sich hin und her. Ihr Körper ist ganz ruhig. Was möchte sie mir wohl sagen, diese Bachstelze? Was möchte sie mir erzählen? Von ihrem Leben als Bachstelze? Ja, das Leben einer Bachstelze. Das ist nicht einfach. Sie muss immer aufpassen. Dass sie vom Fluss nicht davon geschwemmt wird. Aber sie hat eine Technik entwickelt. Die es ihr erlaubt, auf den glitschigen Steinen zu stehen. Ohne auszugleiten. Wer hat ihr das gesagt? Es scheint, dass sie das einfach weiß.
 
Park Bad Krozingen, Samstag, 28. Juli 2007, mit Aufnahmegerät aufgenommen und niedergeschrieben
  


Wie ich mit mir selber liebevoll und sorgsam umgehe
von Rolf Stirnemann


Ich befinde mich hier am Neumagenfluss, der von Bad Krozingen her kommt. Der Himmel ist bedeckt. Ich höre das Zwitschern der Vögel und lausche dem Rauschen des kleinen Flusses. Die Blätter haben sich in ein helles und warmes Grün verfärbt und jegliche Farbnuancen sind jetzt zu sehen. Von einem tief grünen bis zu einem hellen Grünton sind alle Farben zu entdecken. Vor mir sind Spatzen und Buchfinken auf dem Weg. Kleine Mückchen tanzen auf meiner Augenhöhe. Es ist hier eine sehr friedliche und beeindruckende Stimmung.




Das Wasser fließt unablässig seinen Lauf. Es fragt niemanden. Es geht einfach. 
Es fließt. Und immer wieder ist das Bild des Wassers anders. Es gibt millionenfache Variationen. Und immer wieder ist das Wasser anders. Ich sehe hier die Steine, die aus dem Fluss ragen. Etwas angenässt vom Wasser. Dort ist ein Strauch im Wasser, den der Fluss mitgenommen hat. Am Ufer des Flusses hat es Efeu an einem Baumstrunk. Einer ehemaligen Eiche. Die jetzt nicht mehr lebt. Dafür hat sich Efeu daran geklebt.
Ich genieße die Ruhe. Diese entspannende Ruhe. Ich beobachte die Menschen, die davon eilen. Die verdorrten Blätter am Boden. Die Ameise, die eilends davon eilt. Und immer wieder höre ich die Taube in den Baumwipfeln. Der Wind streicht mir um mein Gesicht. Es ist ein wunderschönes Gefühl. Das Paradies auf Erden.
Ich schreite auf einem Stück Rasen. Er ist weich unter meinen Füßen. Ich spüre das Weiche. Meine Gedanken sind auf diesem Stück Rasen. Jetzt. Der Rasen des Lebens? Oder der Boden des Lebens? Nicht immer geradeaus. Nicht immer eben. Es gibt auch verdorrte Rasenstücke. Die sind uneben. Unkraut wächst und hat seinen Platz. So wie das Leben eben spielt.
Ich bin jetzt in einer Waldlichtung. Umgeben von vielen alten Bäumen. Wenn diese Bäume reden könnten! Sie hätten eine sehr lange Geschichte zu erzählen. Die einen stehen etwas schief in der Gegend. Die andern sind fast gerade gegen den Himmel gerichtet. Und wiederum andere haben ein schönes grünes Kleid angezogen. Und der Wind rauscht durch die Baumwipfeln.
Meine Wahrnehmungen sind jetzt total anders geworden. Als noch vor drei Wochen. Ich höre die Vögel zwitschern, ich nehme das Rauschen des Baches wahr. Und ich spüre den weichen Rasen unter meinen Füssen.



Es ist ein angenehmes Gefühl, hier draußen zu sein. Die Natur zu beobachten. 
Den warmen Wind zu spüren. Die Vögel zu hören. Und einfach da zu sein. Gerüche vom Waldboden. Von den Blättern. Oder der starke Geruch der vielen roten Rosen, die meine Augen und Sinne erfreuen.
Und immer wieder höre ich die Taube, die mir zuruft! Was will sie mir wohl sagen? Ich möchte jetzt am liebsten zu ihr in die hohen Baumwipfeln fliegen. Sie zu streicheln. Vielleicht mag sie das? Oder vielleicht auch nicht? Und ihr in Ihre Augen zu schauen. Sie zwinkert mir zu. Die Welt ist für uns beide in Ordnung.
Eine Bachstelze ist ungefähr fünf Meter von mir entfernt am Boden. Sie beobachtet das ganze Geschehen. Es scheint, dass sie zuhört. Sie hält den Kopf etwas geneigt. Es scheint, dass sie mich beobachtet. Wie nimmt sie mich wahr? Ihr Kopf bewegt sich hin und her. Ihr Körper ist ganz ruhig. Was möchte sie mir wohl zuflüstern. Ja, das Leben einer Bach stelze ist nicht immer einfach. Sie muss immer aufpassen, dass sie vom Fluss nicht mitgerissen wird. Aber sie hat eine Technik entwickelt, die es ihr erlaubt, auf den glitschigen Steinen aufrecht zu stehen. Ohne auszugleiten. Wer hat ihr das gesagt, wie sie das machen muss?




Ich beobachte zwei Krähen, die auf der Suche nach Fressbarem sind. Wie 
man ja weiß, fressen Krähen alles, was ihnen unter den Schnabel kommt. Und so ist die eine Dame dabei, davon zu stolzieren, aber sie zeigt Größe und Stil. Und ein besonderes Gehabe. „Auch ich bin hier der Chef.“ Sie wackelt durch das Gras und geht auf den Weg zu. Was hat sie nur im Schild? Diese Krähe, dieses schwarze, vornehme Getier. Ich liebe Krähen, wie sie „gumpen“. Hat sie wohl Freude am Leben als Krähe? Das würde uns Menschen gut tun. Sie hat etwas entdeckt. Ja. Sie pickt etwas. Ein verirrter Wurm oder ein gestorbenes Insekt? Jetzt kommt eine weitere Krähe. Aber sie gehen einander aus dem Weg. Vielleicht ist es besser so. Sonst gibt es noch Krieg unter den Krähen. Das wäre noch dümmer. Es reicht, wenn sich die Menschen einander den Krieg erklären.
Es ist eigentlich sonnenklar, dass ich den Tinnitus in dieser Situation nicht höre.
Ich gehe jetzt zu einem Strauch hin, der mir besonders durch die verschiedenfarbigen roten Blätter auffällt. Es ist ein wunderschöner Ahorn mitten im Park von Bad Krozingen. Diese Blätter sind in einer solch wunderschönen vielfarbigen Art zu sehen. Das Rostrot ist in vielen Variationen anzutreffen. Der Strauch steht hier inmitten von hohen Bäumen, an denen Efeu wächst. Er ist ein besonderes Prunkstück für mich. Weist er doch von unten verschiedene Farbnuancen, von der Seite wiederum andere Farben und wenn man weiter weg geht, dann sieht man aus einer ganz anderen Perspektive und andere Farben. Eine ganz interessante Farbkombination ist das für mich. So bunt wie das Leben sein könnte. In allen Variationen, in allen Farben. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die Sonne durch die Blätter scheinen würde, wie die Blätter nochmals einen „Tatch“ von Schönheit bekommen würden. Und die Sonne wird heute nicht durch die Wolken durchkommen. Aber ich genieße diesen Tag trotzdem, diese Stunden, diese Minuten, um dies alles einzufangen, was mir auffällt, was mir gefällt, was mich beeindruckt, was mir Freude bereitet. Es ist eine Fülle von Eindrücken, die auf mich zukommen und manchmal habe ich auch das Gefühl, dass ich all diese Eindrücke sehr gut verarbeiten kann. Und die Stimmung hier im Park ist außergewöhnlich beruhigend. Ich gehe jetzt zu den Rosen, die im Sommer wunderschön blühen und eine Augen weide sind. Sie sind kräftig rot. Sie wirken sehr warm für mich, erinnern mich an den letzten Sommer. An eine herrliche Zeit in Bad Krozingen, an eine erlebnisreiche- und spannungsgeladene Zeit mit vielen guten Eindrücken, guten Gesprächen.
 
Ich genieße diese Ruhe. Diese unglaubliche Ruhe wird jetzt durchbrochen durch einen Zug, der in unmittelbarer Nähe vorbei rauscht. Das ist etwas unheimlich. Und schon ist er vorbei und man hört nur noch von weiter Entfernung das Rauschen.
Ich sehe ein Eichhörnchen, das einen Baum hoch springt. Es handelt sich um einen Tulpenbaum. Was das auch immer heißen möge. Der Baum sieht nicht nach einer Tulpe aus! Herkunft: Nordamerika, Höhe, 20 – 35 Meter. Das Eichhörnchen ist nach unten gekommen und sucht sich eine Nuss, die es sich versteckt hat. Ein anmutiges Tierchen. Dieser herrlich große, schöne und
buschige Schwanz.
Ich nähere mich jetzt der Stadt und der Lärm wird immer intensiver und mit der Ruhe ist es jetzt bald vorbei.
Und ich gehe jetzt in die Stadt und verabschiede mich symbolisch vom Lammplatz. Dieser Platz hat es mir angetan. Ich war letztes Jahr sehr viele Male hier. Trank einen feinen Espresso. Beobachtete die Menschen, genoss die Ruhe, die Gemütlichkeit, die Gelassenheit, die ich hier in Bad Krozingen gelernt habe.
Ich lernte, sorgsam mit mir selber umzugehen. Ich lernte, Eigenverantwortung zu tragen, anstatt mich übertrieben verantwortlich für andere zu fühlen. Dieser sorgsame Umgang mit mir selber bedeutet weiterhin, dass ich mich der echten Verantwortung für andere bewusst werde; das erreiche ich oft leichter, wenn ich mich nicht über verantwortlich fühle.
Sorge tragen für sich selbst bedeutet, die Person lieben zu lernen, für deren Fürsorge ich verantwortlich bin – und diese Person bin ich selbst.

Erlebnis-Bericht aus dem Park in Bad Krozingen (D), 14. August 2011